{"id":605,"date":"2011-06-09T22:16:18","date_gmt":"2011-06-09T20:16:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=605"},"modified":"2011-06-10T10:10:49","modified_gmt":"2011-06-10T08:10:49","slug":"%e2%80%a6-die-geschichte-neu-geschrieben-werden-muste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/605","title":{"rendered":"\u2026 die Geschichte neu geschrieben werden m\u00fc\u00dfte?"},"content":{"rendered":"<div><span style=\"color: #800000;\"><strong>\u2026 die Geschichte neu geschrieben werden m\u00fc\u00dfte?<\/strong><\/span><\/div>\n<div><span style=\"color: #800000;\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/span><br \/>\nEs hat mich ger\u00fchrt, wie kindlich sich die Bundeskanzlerin \u00fcber den amerikanischen Karnevalsorden gefreut hat. Nicht nur, da\u00df sie sich erstmals in ihrer Karriere ein Kleid angezogen hatte, in dem sie sich wie nackt vorgekommen sein mu\u00df. Sie kicherte und knickste auch, wie ein Jugendweihling, wollte wissen, wo sie sich das Ding hinstecken kann und war drauf und dran, das Lametta mit dem Friedensnobelpreis zu vergleichen, den Obama schon hat. Vielleicht ist sie in einer Phase, in der sie grundlegende Dinge zu verwechseln beginnt \u2013 ihr Amt und ihre Person beispielsweise. Vielleicht schlie\u00dft sie aus der Tatsache, da\u00df Muhammad Ali und Marlene Dietrich auch diesen Orden bekamen, es ginge hier um etwas, was ihr eigent\u00fcmlich w\u00e4re, ihr innewohnt, egal ob sie als Backwarenfachverk\u00e4uferin, Prostituierte oder Bundeskanzlerin t\u00e4tig ist \u2013 ein Talent, eine Kraft, eine Aura. Mit ihr zu arbeiten mache Spa\u00df, hat Obama \u00fcber sie gesagt, was man jeder B\u00fcrokraft sagt, wenn sie Geburtstag hat. Er h\u00e4tte auch sagen k\u00f6nnen, Frau Merkel sei nett.&nbsp;<\/p>\n<p>Es hat mich ger\u00fchrt, wie sie err\u00f6tete und fickrig wurde, mit dem Medaillenkasten in der Hand kaum den Impuls unterdr\u00fccken konnte, sich umzuwenden und zum Sauer zu rennen: Guck mal, was ich vom Barack gekriegt habe! Mich beschlich das Gef\u00fchl, da\u00df wir \u2013 wir alle! \u2013 sie nicht verw\u00f6hnt haben mit Komplimenten, die nicht ihr Amt, nur ihre Person betreffen. Sagt Pofalla manchmal am Rande einer Besprechung\u00bb\u00dcbrigens, toller Hintern, Angela!\u00ab, ruft Sch\u00e4uble anerkennend \u00bbIhr Kaffee mal wieder, Frau Bundeskanzler!\u00ab oder bemerkt Westerwelle \u00bboh, neues Deo!\u00ab? Nein. Nur Sauer sagt manchmal \u00bbHm, Kartoffelsuppe!\u00ab. Aber auch nur, wenn er mu\u00df.<\/p>\n<p>Bedenklich an der amerikanischen Episode ist allerdings, da\u00df Merkel wahrscheinlich gelogen hat, um an den Orden zu kommen. Oder sagen wir: Sie ist im zu Guttenbergschen Sinne wahrscheinlich etwas zu engagiert mit ihrer Biographie verfahren. Sie mu\u00df dem Obama Dinger \u00fcber sich erz\u00e4hlt haben! Anders sind bestimmte Einlassungen des Pr\u00e4sidenten nicht zu deuten. Sichtlich ergriffen sprach er von dem kleinen M\u00e4dchen, das in einer Art Gulag aufwuchs, sich nicht nach Spielzeug, S\u00fc\u00dfigkeiten oder einem s\u00fc\u00dfen Haustier, sondern nur nach einem Sonnenstrahl pro Woche sehnte. Das ganze Gl\u00fcck des Kindes bestand darin, nicht erschossen zu werden. Es konnte praktisch bis ins reife Frauenalter nur notd\u00fcrftig seine Scham bedecken, da es ihm an Kleidung fehlte. Diesen Eindruck hat Angela Merkel selbst bei Obama erzeugt, weil sie in seiner Gegenwart wiederholt betont hat, die Freiheit sei an jenem Tag \u00fcber sie gekommen, als ihre Sehnsucht nach einer eigenen Hose aus derbem, blauen Stoff gestillt wurde (entsprechende Zitate findet man im Netz). Sie fror viel in dieser Zeit, und ihr Augenlicht schwand, weil sie keine Farben sehen durfte. Sie war fast g\u00e4nzlich stumm, denn jedes Wort h\u00e4tte sie verraten\u2013 mit Schlimme-Augen-Wurst fehlern\u00e4hrt und konnte erst als F\u00fcnfj\u00e4hrige einen Berg hinunterlaufen. Ohne Bibel w\u00e4re sie verr\u00fcckt geworden. Au\u00dferdem wurde sie von b\u00f6sen M\u00e4nnern (Stasi) behelligt, zu denen sie knallhart\u00bbnein\u00ab gesagt hat.<\/p>\n<\/div>\n<div>Das alles hat Obama \u00fcber sie und \u00fcberwiegend von ihr erfahren. Sein Erstaunen dar\u00fcber, da\u00df Merkel dennoch \u00fcber s\u00e4mtliche Gliedma\u00dfen und ein saniertes Gebi\u00df verf\u00fcgt, logisch argumentieren und Anspielungen verstehen kann, war aus jeder Silbe seiner Laudatio herauszuh\u00f6ren. Unklar ist ihm allerdings bis heute geblieben, wie Angela Merkel das kommunistische Regime gest\u00fcrzt hat. Immer, wenn er sie danach fragte, hat sie ihn nur verschw\u00f6rerisch angel\u00e4chelt und geschwiegen (aus Bescheidenheit). Deshalb half sich Obama mit der Formel, Merkel habe ein bew\u00e4hrtes \u00bbYes, I can\u00ab zu sich gesagt\u2013 und da sei es um den Kommunismus geschehen gewesen.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin selbst beteuerte \u00fcbrigens ein ums andere Mal, wenn sie Obama begegnete, die Ostdeutschen \u2013einschlie\u00dflich die kleine, tapfere Pfarrersfamilie, in der sie aufwuchs \u2013 seien durch die Amerikaner in einem Akt der N\u00e4chstenliebe befreit und die Deutschen durch die USA umgehend gl\u00fccklich wiedervereinigt worden. Das d\u00fcrfte neu sein f\u00fcr alle, die irgendwie beteiligt gewesen sind. Aber man kann es von jetzt an in den Geschichtsb\u00fcchern lesen.<\/p>\n<p>Junge Welt, 10. Juni 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 die Geschichte neu geschrieben werden m\u00fc\u00dfte? 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