{"id":599,"date":"2011-05-30T10:43:00","date_gmt":"2011-05-30T08:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=599"},"modified":"2011-06-25T11:22:26","modified_gmt":"2011-06-25T09:22:26","slug":"es-eine-gullewende-gabe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/599","title":{"rendered":"&#8230; es eine G\u00fcllewende g\u00e4be?"},"content":{"rendered":"<div><span style=\"color: #800000;\"><strong>&#8230; es eine G\u00fcllewende g\u00e4be?<br \/>\n<\/strong><\/span><\/div>\n<div>Die Geschichte der G\u00fclle ist eine Geschichte voller Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse. Die G\u00fclle ist n\u00e4mlich keineswegs identisch mit dem russischen Kwas \u2013 einem braunen Trunk aus gegorenem alten Brot und Wasser, mit dem Stalin gute Erfolge bei tr\u00e4gem Darm erzielte. Im Gegenteil: Kwas wird dieser Tage von Experten als einziges sicher wirkendes Mittel gegen den m\u00f6rderischen EHEC-Virus empfohlen, denn er aktiviert die Darmflora und verschafft dem Virus einen sanft-s\u00e4uerlichen Abgang: Aus Ru\u00dfland ist kein einziger EHEC-Toter gemeldet worden.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>G\u00fclle hilft auch nicht gegen Warzen. Das sogenannte Jauchen als Initiationsritual notgeiler Knaben ist selbst im Bayerischen Wald seit einem Jahrhundert ausgestorben, und mit G\u00fclle getr\u00e4nkte Watteb\u00e4usche, auf eine entz\u00fcndete Zahnwurzel aufgelegt, erzeugen zwar die sogenannte fiebrige Hitze, ersetzen aber nie die Zahnextraktion.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>G\u00fclle ist Schei\u00dfe, man mu\u00df es so sagen. Deutschland ertrinkt darin. Noch nie in der Geschichte wurden so ungeheure Massen an G\u00fclle \u00fcber unsere Heimaterde ausgegossen wie in diesem Jahr \u2013 sagen die aktuellen Zahlen des Bundesverbandes f\u00fcr G\u00fcllewirtschaft mit Sitz in G\u00fcllstein im oberen Ammertal. Und es wird j\u00e4hrlich mehr. Aus einem noch nicht vollst\u00e4ndig erforschten Grund ist die im Mittelalter entwickelte Technik der Ackerb\u00fcrger, sich s\u00e4mtlicher Exkremente billig zu entledigen, indem man sie auf Freifl\u00e4chen, auch im Abstandgr\u00fcn und auf Golfrasen, verteilt, von der Zivilisation nicht \u00fcberwunden worden. Selbst die fr\u00fchb\u00fcrgerliche Aufkl\u00e4rung, Hegel und Marx, die Kanalisation, das Telefon, die Raumfahrt, die Mehrwertsteuer und das Internet haben das G\u00fcllen (Jauchen, Schei\u00dfespr\u00fchen) nicht obsolet gemacht. In einigen Landkreisen zahlt die \u00f6ffentliche Hand den Bauern sogar die sogenannte Schei\u00dfpr\u00e4mie f\u00fcr das Verklappen der Verdauungsprodukte von Gro\u00dfvieheinheiten in den jungen Roggen. Zudem gibt es mit G\u00fclle einen florierenden Emissionshandel an der sogenannten G\u00fclleb\u00f6rse (<a href=\"http:\/\/www.naehrstoffboerse.de\/selbstverstaendnisDerGuelleboerse.htm\" target=\"_blank\">www.naehrstoffboerse.de\/selbstverstaendnisDerGuelleboerse.htm<\/a>): Holl\u00e4nder und Belgier dr\u00fccken auf deutschem Boden Unmengen an G\u00fclle aus und nehmen uns daf\u00fcr zahlreiche Wanderarbeiter aus den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern ab.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wie wahnsinnig g\u00fcllt man in Bayern und in Mecklenburg. Bayern ist das Land von Hightech und Lederhose und einer besonders rabiaten Abkehr von der Atomindustrie unter F\u00fchrung von Markus S\u00f6der. Aber im Fr\u00fchjahr verfallen die Bayern in einen regelrechten Jaucherausch. Das Areal stinkt bestialisch. Vor Jahren fuhr ich einmal ins liebliche Augsburg ein und konnte, auf dem Marktplatz sitzend, nicht einmal einen Pfefferminztrunk nehmen, weil das Arom mich bis dorthin verfolgte. In Mecklenburg tr\u00e4nkt man die Krume mit G\u00fclle, weil man es in der LPG so gelernt hat und werkt\u00e4glich betrunken ist (neulich haben sie sogar einen Sandsturm auf der Autobahn bei Rostock mit G\u00fclle bek\u00e4mpft) \u2013 in Bayern jedoch h\u00e4lt man das Kackekutschieren f\u00fcr den Gipfel der Agrikultur! Aus beiden Landstrichen kamen in diesem Jahr die ersten EHEC-Opfer.<\/div>\n<div>Im Barnim ist man von der G\u00fclle abgekommen. Aber um welchen Preis! Dort verg\u00e4rt die G\u00fclle zusammen mit allem, was die Br\u00fcsseler Administration wachsen l\u00e4\u00dft, in den hochprofitablen Biogasanlagen. Zur\u00fcck bleibt ein Sud, der s\u00e4mtliches Gift der G\u00fclle konzentriert enth\u00e4lt, auch den EHEC. Verwirbelt man ihn auf den Feldern, stinkt es b\u00f6sartiger, als es in der DDR je gestunken hat.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Da\u00df der Virus in der G\u00fclle lauert, ist bekannt. Nicht von ungef\u00e4hr empfiehlt der Hebammenbund, sie nicht f\u00fcr Babynahrung zu verwenden. Aufs Gem\u00fcse w\u00fcrde sie indes nie und nimmer aufgetragen, beteuert der G\u00fclleverband und bietet uns die Teilnahme an entsprechenden Versuchen per Webcam an: Kopfsalat zerf\u00e4llt innerhalb von Minuten nach Benetzung mit G\u00fclle. Radieschen schrumpfen auf Rosinengr\u00f6\u00dfe, und alten B\u00e4uerinnen, die in einem G\u00fcllebeet stehen, faulen die F\u00fc\u00dfe.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Was die Freunde der G\u00fclle nicht sagen: Nat\u00fcrlich sickert G\u00fclle aus Mais- und Roggen-Feldern in die Gem\u00fcsefurchen, kontaminiert Badewiesen, verseucht Hundeabrichtungspl\u00e4tze. Durch St\u00e4dtchen im Tale ergie\u00dft sich bei jedem Sommerregen ein Sturzbach von G\u00fclle aus den Feldern auf den H\u00e4ngen. EHEC nehmen die Buben und M\u00e4dchen, die auf der Gasse \u00bbAfghanistan\u00ab spielen, mit dem Stra\u00dfenstaub auf!<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nach der gro\u00dfen Wende zu einem besseren Sozialismus in der DDR 1989 und der Energiewende 2011 brauchen wir jetzt eine G\u00fcllewende! Ob eine Gesellschaft in der Zivilisation angekommen ist, wird sich daran erweisen, da\u00df sie auf G\u00fclle als Nahrungszusatz verzichten kann. Und die Kanzlerin mu\u00df sich fragen lassen: Frau Merkel, wollen Sie ein Land, das fl\u00e4chendeckend von Schei\u00dfe durchtr\u00e4nkt ist, regieren?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Junge Welt, 28. Mai 2011<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; es eine G\u00fcllewende g\u00e4be? Die Geschichte der G\u00fclle ist eine Geschichte voller Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse. Die G\u00fclle ist n\u00e4mlich keineswegs identisch mit dem russischen Kwas \u2013 einem braunen Trunk aus gegorenem alten Brot und Wasser, mit dem Stalin gute Erfolge bei&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[5],"tags":[210,209,207,208,211,54,55],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=599"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":622,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions\/622"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}