{"id":588,"date":"2011-04-22T22:49:32","date_gmt":"2011-04-22T20:49:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=588"},"modified":"2011-04-22T22:49:32","modified_gmt":"2011-04-22T20:49:32","slug":"ai-weiwei-ein-kunstler-ware","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/588","title":{"rendered":"&#8230; Ai WeiWei ein K\u00fcnstler w\u00e4re?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>&#8230; Ai Weiwei ein K\u00fcnstler w\u00e4re?<br \/>\n<\/strong><\/span><br \/>\nDie Frage ist berechtigt. Es gibt n\u00e4mlich Menschen (und das sind nicht die besten), die ihn f\u00fcr ein ausgemachtes Arschloch halten. Solch niedertr\u00e4chtigen Vokabulars haben sich diese Menschen auch in vergleichbaren F\u00e4llen schon oft bedient. Beispielsweise zur Wertsch\u00e4tzung Wolf Biermanns und dessen zahlreichen in Lyrik, Sologesang und Malerei dilettierenden Gefolges. Biermann machte es diesen Menschen (ausgemachten Lumpen) insofern leicht, als \u00bbArschloch\u00ab eine seiner Lieblingsvokabeln ist.<\/p>\n<p>Davon hat sich mancher irritieren lassen. Und so wurde Herrn Biermanns \u00fcberragendes K\u00fcnstlertum vollinhaltlich erst sp\u00e4t erkannt, als er die entsprechenden Staats- und Parteipreise in Empfang genommen hatte. Diese vollzogen die Harmonisierung widerstreitender Sch\u00fcbe in der k\u00fcnstlerischen Individualit\u00e4t Biermanns \u2013 n\u00e4mlich seine Leidenschaft, den Sieg \u00fcber die deutschen Kommunisten erfechten zu wollen (am besten allein), diese Unter den Linden an der Laterne baumeln zu sehen und im selben Augenblick und ohne sichtbaren \u00e4u\u00dferen Anla\u00df die Guittarre zu z\u00fccken und die Zunge in der Manier des Villon, Brecht, Heine usw. rotieren zu lassen.<\/p>\n<p>So wird es mit dem Ai, wie wir ihn vorsichtshalber jetzt schon liebevoll nennen wollen, auch kommen. Momentan eilt ihm der Ruf eines Cholerikers voraus, der br\u00fcllt und droht, gegen kostbare Bodenvasen l\u00e4uft und mit allem um sich schmei\u00dft, was ihm in die K\u00fcnstlerh\u00e4nde kommt. Es gibt Menschen (nicht die besten), die darin pathologische Z\u00fcge erkennen wollen. Aber auch das hat Methode: Widerstand gegen eine blutige Diktatur wird gern als \u00bbverr\u00fcckt\u00ab verd\u00e4chtigt \u2013 das haben diese Menschen (nicht die besten!) bei Pfarrer Eggert und Arnold Vaatz auch versucht: Vom Standpunkt des \u00bbgesunden Menschenverstandes\u00ab ist es nat\u00fcrlich \u00bbverr\u00fcckt\u00ab, das scheinbar Unab\u00e4nderliche, angeblich historisch Gesetzm\u00e4\u00dfige \u00bbverr\u00fccken\u00ab zu wollen. Dabei geht schon manchmal was kaputt.<\/p>\n<p>Noch gilt unser Ai bei bestimmten Menschen (nicht die besten, \u00fcbrigens) als erfolgreicher Wirtschaftsverbrecher. Das kennen wir. Das haben diese Menschen (siehe oben!) auch schon bei Robert Havemann und Stefan Heym versucht. Allerdings ist unser Herr Ai kein kleiner Kunstmaler, der in einem winzigen Atelier in einem Pekinger H\u00fcttendistrikt Postkartenmotive f\u00fcr das US-amerikanische Weihnachtsfest fertigt. Sondern ein Unternehmer, der die chinesische Wirtschaft kr\u00e4ftig wachsen l\u00e4\u00dft. Er besch\u00e4ftigt zahlreiche Angestellte und unterh\u00e4lt offenbar mehrere Ateliers. Die Mitarbeiter seines Hongkonger Ateliers haben sich vorige Woche kollektiv vor der Weltpresse ge\u00e4u\u00dfert und der Hoffnung Ausdruck gegeben, da\u00df man seine alte Mutter bald zu ihm lassen werde, die ihm frische Socken bringen wolle.<\/p>\n<p>Ai ist auch ein Global Player oder will ein solcher sein. In Berlin hat er sich j\u00fcngst leergezogene Fabriketagen angesehen, die ihm als Studios dienen sollen, in denen er mit Gegenst\u00e4nden schmei\u00dft. Menschen (wahrscheinlich die besseren), die ihn bei der Vorbereitung seiner Berliner Investitionen begleiteten, sagten, Ai glaube \u2013 wie einst Biermann, vom Westen aus seinen Kampf gegen den Kommunismus effektiver f\u00fchren zu k\u00f6nnen, als wenn er daf\u00fcr in Peking dauernd Genehmigungen einholen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Am Mittwoch liefen Menschen (unsere besten) vor dem Brandenburger Tor herum und hielten Schilder hoch, auf denen sie fragten \u00bbWo ist Ai Weiwei?\u00ab. So eine Aktion gab es zum letzten Mal, als der Baul\u00f6we Schneider in Leipzig seine Gl\u00e4ubiger um Millionen prellte. Die fragten auch, wo er denn sei. Ai aber wird dringend gesucht, weil er an der Berliner Universit\u00e4t der K\u00fcnste eine Professur antreten soll, von der er wahrscheinlich noch nicht einmal wei\u00df, da\u00df sie ihn ereilte. Menschen (gute), die ihm nahestehen, \u00e4u\u00dferten jedoch, da\u00df ein Lehrstuhl in Deutschland das Mindeste sei, was Ai als Kompensation f\u00fcr seinen Kampf gegen die chinesische Diktatur von den Deutschen erwarte. Also kann man wohl damit rechnen, da\u00df er bis zu Semesterbeginn erscheint, ein bi\u00dfchen herumbr\u00fcllt, mit diesem und jenem wirft und den Kunststudenten vormacht, wie man zwei Tische \u00fcber Eck stellt und das als Kunstwerk unter der Rubrik \u00bbWorks\u00ab im Internet zeigt.<\/p>\n<p>Junge Welt, 23. April 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Ai Weiwei ein K\u00fcnstler w\u00e4re? Die Frage ist berechtigt. Es gibt n\u00e4mlich Menschen (und das sind nicht die besten), die ihn f\u00fcr ein ausgemachtes Arschloch halten. Solch niedertr\u00e4chtigen Vokabulars haben sich diese Menschen auch in vergleichbaren F\u00e4llen schon oft&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[5],"tags":[204,206,203,205,54,55],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=588"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":591,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588\/revisions\/591"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}