{"id":581,"date":"2011-04-08T08:40:35","date_gmt":"2011-04-08T06:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=581"},"modified":"2011-04-08T08:40:35","modified_gmt":"2011-04-08T06:40:35","slug":"philipp-rosler-ein-guter-mensch-ware","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/581","title":{"rendered":"&#8230; Philipp R\u00f6sler ein guter Mensch w\u00e4re?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>&#8230; Philipp R\u00f6sler ein guter Mensch w\u00e4re?<\/strong><\/span><\/p>\n<div>Das w\u00e4re ein ungeheuerlicher Vorgang \u2013 nicht nur in der deutschen Nachkriegsgeschichte, sondern in der Geschichte des Nationalstaates \u00fcberhaupt. Noch nie, seit Kaiser Barbarossa, wurde ein Politiker in Spitzen\u00e4mter berufen, weil ihm der Ruf vorausging, er sei ein guter Mensch. Gewi\u00df, kurzzeitig hatte Goebbels, der Hitlers Kampagne zu den Reichstagswahlen 1933 organisierte, mit dem Gedanken gespielt, den F\u00fchrer als freundlich, humorvoll, h\u00f6flich, konsensorientiert, eher weiblich, tier-und kinderaffin und mutterliebend vorzuf\u00fchren. Das war aber nicht durchzuhalten, weil den Braunen der Browning im Wahlkampf zu locker sa\u00df. Einzig die Kinderliebe Hitlers konnte \u00fcber Fotos dokumentiert werden, die ihn zeigten, wie er mit seinem Sch\u00e4ferhund spielte.<\/div>\n<p>Aus dem ersten Bundestag nach dem Krieg w\u00e4re R\u00f6sler wegen Gutmenschentums herausgemobbt worden. Dort sa\u00dfen ausgemachte Halunken (abgesehen von den Kommunisten, die aber wegen st\u00e4ndiger Anf\u00e4lle von Br\u00fcderlichkeit und Gerechtigkeitssinn bald verboten wurden). Fortan galt als h\u00f6chste politische Qualifikation die sogenannte Schlitzohrigkeit, also die F\u00e4higkeit, andere zu \u00fcbervorteilen. Das Erk\u00e4mpfen und das Verteidigen von Macht war mit den ekelhaftesten Verhaltensweisen verbunden: Brutalit\u00e4t, L\u00fcge, Drohungen, Korruption, Beschimpfungen, Erpressungen. Dregger, Barzel, Kohl, Genscher, M\u00f6llemann, Schily, Fischer, Schr\u00f6der, Clement, Sch\u00e4uble \u2013 eine Monstergalerie ausgemacht b\u00f6ser, zynischer, herzenskalter M\u00e4nner. Oft kamen Frauen aus den Fraktionsr\u00e4umen weinend herausgerannt \u2013 Adam-Schwaetzer, Gunda R\u00f6stel, Andrea Fischer, Leutheusser-Schnarrenberger \u2013 und klagten in die Mikrofone, was ihre Parteikollegen f\u00fcr Charakterschweine seien.<\/p>\n<p>Um nach langer Leidenszeit in der politischen Bedeutungslosigkeit den politischen Durchbruch zu erzielen, verst\u00e4ndigten sich die Liberaldemokraten eines Tages darauf, voll auf den fiesesten Typen zu setzen, den sie finden konnten: Westerwelle. Er schien zu jeder Intrige und zu jedem Ha\u00dfausbruch f\u00e4hig zu sein, und er entt\u00e4uschte sie nicht. Zudem hatte er einen nat\u00fcrlichen Vorteil: Er war auch noch abgrundtief h\u00e4\u00dflich. Wenn man heute in der FDP-Parteizentrale heruml\u00e4uft, erz\u00e4hlen die Angestellten bereitwillig, wie sie sich vor dem gro\u00dfen Vorsitzenden gef\u00fcrchtet und geekelt haben. Bei den Frauen im Schreibb\u00fcro hie\u00df er \u00bbDie Guidotine\u00ab. Er lie\u00df im B\u00fcroalltag keine Hinterh\u00e4ltigkeit aus \u2013 lediglich die sexuelle Bel\u00e4stigung von Frauen verbot er sich, das mu\u00df man zu seiner Ehrenrettung sagen.<\/p>\n<p>In den Talkshows dieser Tage wurden folgende Qualifikationen Westerwelles vorgetragen: Mi\u00dftrauisch, humorlos, verbissen, cholerisch, diktatorisch, aggressiv, phantasielos, faul, verantwortungslos, lernunf\u00e4hig, autistisch, ha\u00dferf\u00fcllt, karrieristisch, egozentrisch bis egomanisch, menschenverachtend, bindungsunf\u00e4hig, tier, -kinder- und gr\u00fcnpflanzenfeindlich. Abends s\u00e4uft er einen Liter hei\u00dfes Blut, hei\u00dft es. Und im Urlaub steinigt er freilaufende Katzen und Rentnerinnen. Vergleiche mit Roland Freisler, Adolf Eichmann oder G\u00fcnther Schabowski lagen in der Luft \u2013 und kommen sicherlich noch, wenn die FDP-Mitglieder wieder frei zu sprechen wagen.<\/p>\n<p>Und nun also Philipp R\u00f6sler. Wenn eine Partei ihren Retter ins Gespr\u00e4ch bringt, rechnet man mit folgenden Elogen: Toller Stratege! Erstklassiger Fachmann! Au\u00dferordentlich erfahren und in blutigen K\u00e4mpfen erprobt! Durchsetzungsf\u00e4hig, leidenschaftlich, f\u00fchrungsstark, gl\u00fchender Verteidiger von Freiheit und Sonntagsruhe, auch unter Folter nie weich geworden usw. Kurz: eine Allzweck-und Wunderwaffe.<\/p>\n<p>R\u00f6sler indes gilt als nett. Er weckt bei Frauen jenseits des Klimakteriums Mutterinstinkte, bei j\u00fcngeren schie\u00dft wahrscheinlich die Milch ein. Hunde und Kleinkinder laufen ihm nach. Er mag frische Blumen auf seinem Schreibtisch. Er hat einen unzweideutigen Kinderhumor. Ironie und Zoten versteht er nicht. F\u00fcr seine Zwillinge spielt er gern mit Handpuppen. Er l\u00e4\u00dft sich auf die Schulter klopfen. Er h\u00f6rt gut zu und l\u00e4chelt dabei. Er hat einen vertrauenserweckenden H\u00e4ndedruck und eine Frau, die gut zuh\u00f6ren kann. Er mag Salate und den deutschen Schlager. Er will, wenn er 45 ist, mit der Politik aufh\u00f6ren, damit sie nicht seinen klaren Charakter verdirbt. Ab dann will er von seiner Pension leben. Interviewfragen beantwortet er nett, korrekt und unkonkret. Aber auf eins kann man sich verlassen: Die Antwort endet stets mit : \u00bb\u2026und darauf freue ich mich.\u00ab<\/p>\n<p>Wir uns auch.<\/p>\n<div>Junge Welt, 08. April 2011<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Philipp R\u00f6sler ein guter Mensch w\u00e4re? 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