{"id":488,"date":"2010-10-08T21:04:31","date_gmt":"2010-10-08T19:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=488"},"modified":"2010-10-08T21:07:06","modified_gmt":"2010-10-08T19:07:06","slug":"die-scharia-zu-deutschland-gehorte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/488","title":{"rendered":"&#8230; die Scharia zu Deutschland geh\u00f6rte?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>\u2026die Scharia zu Deutschland geh\u00f6rte?<\/strong><\/span><\/p>\n<div>Lothar und Ulli, mit denen ich den Donnerstag abend in einer Muckibude in Wei\u00dfensee bzw. im Buena Vista in der Bizetstra\u00dfe verbringe, wundern sich, warum ich so geschwollen frage. Ich soll doch einfach sagen, wenn ich was zu laufen h\u00e4tte, w\u00e4re ja nicht zum ersten Mal, da\u00df ich ihnen ein Schweigegel\u00fcbde abn\u00e4hme. Ob sie denn h\u00fcbsch sei, die Kleine (Ulli sagt \u00bbdie Schnecke\u00ab), und ob ich denn bescheuert sei, was mit einer T\u00fcrkin anzufangen, wo man da doch gleich die Neuk\u00f6llner Br\u00fcder (Ulli sagt \u00bbdie ganze Mischpoke\u00ab) auf dem und ihre charakteristischen Messer am Hals habe.<\/p>\n<p>Nein, sage ich, die Scharia habe es in sich. Oho!, sagen sie, das h\u00f6re sich ja interessant an. \u00bbHabt ihr ignoranten Wichte denn den Wulff nicht geh\u00f6rt?\u00ab, frage ich und weihe sie in die politische Gro\u00dfwetterlage ein: Der Herr Bundespr\u00e4sident hat zum Tag der Befreiung am 3. Oktober eine lauwarme Rede gehalten, die von geschwollenen Metphysismen \u00fcberquoll; \u00bbWunder\u00ab, \u00bbDankbarkeit\u00ab und \u00bbGl\u00fcck\u00ab wechselten in beachtlicher Schlagzahl. Aber er stand ziemlich unter Druck. Weil er seit seiner Wahl praktisch nichts gearbeitet hatte und sich die Deutschen schon fragen, wof\u00fcr er sein Geld bekommt, wollte er mit der Rede eine Art Flei\u00dfarbeit abliefern. Idealerweise sollte sie eine sog. Debatte ausl\u00f6sen, noch besser einen sog. Diskurs, zumindest wollte er damit in die Feuilletons kommen. (\u00bbAha\u00ab, sagte Ulli, \u00bbein bi\u00dfchen auf die Kacke hau\u2019n.\u00ab) Deshalb griff er zu einem Trick: Er erkl\u00e4rte die Integration der Ossis kurzerhand f\u00fcr erledigt\u2013 wobei nicht ganz klar wurde, ob erfolgreich erledigt oder einfach abgebrochen \u2013 und verk\u00fcndete die Absicht, k\u00fcnftig restlos alle hierzulande ans\u00e4ssigen Muslime integrieren zu wollen, koste es, was es wolle. Sinngem\u00e4\u00df schr\u00e4nkte er ein, da\u00df diese Leute nur, bittesch\u00f6n, nicht ihre Frauen verhauen und ihre Schwestern erstechen sollen. Dann der verh\u00e4ngnisvolle Satz: Der Islam geh\u00f6rt zu Deutschland wie die Siebentageadventisten, die Vertriebenen, Kampfhundehalter und Veganer.<\/p>\n<p>Die Leserschaft bestimmter Bl\u00e4tter (junge Welt z\u00e4hlt nicht dazu) ist seitdem nicht mehr zu beruhigen, und es ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df sie bald auf allen Palmen respektive Koniferen im Abstandsgr\u00fcn sitzen. Im Internet kotzen sie sich aus. Zwischen 60 und 100 Prozent fordern die Ersetzung Wulffs durch Sarrazin auf dem Pr\u00e4sidentenstuhl und knappe 120 Prozent teilen ausdr\u00fccklich nicht die Ansicht, da\u00df der Islam zu Deutschland geh\u00f6re \u2013 im Gegenteil: Er geh\u00f6rt raus. Vor allem wegen der Scharia. Und siehe da: Diesen Leuten mu\u00df man nicht erkl\u00e4ren, was (also nicht \u00bbwer\u00ab) die Scharia ist!<\/p>\n<p>Ein relativ komplexer Zusammenhang \u2013 etwa so kompliziert wie der Zusammenhang von Leitzins und Tageszins \u2013 wird in bestimmten Bl\u00e4ttern gehandelt wie Gro\u00dfmutters Alltagswissen. N\u00e4mlich der, da\u00df der Islam nicht einfach ein Aberglaube ist, sondern ein staatliches, politisches, gesellschaftliches und moralisches System. Die Todestrafe auf das Abnudeln von Lena-Meyer-Landruth-Titeln und erst recht auf Puffbesuch, Ehebruch mit Legehennen und Witze \u00fcber den Propheten w\u00e4re \u2013 wenn der Islam zu Deutschland geh\u00f6rte \u2013 geltendes Recht auch in Berlin-Wei\u00dfensee. Mit Steinigung auf dem Antonplatz und allem Pipapo!<\/p>\n<p>Da lachen der Lothar, der Ulli und ich und verschlucken eine Runde Kurze. Dunkel erinnere ich mich, da\u00df es in Wulffs Deutschland bereits Richter gegeben hat, die Gewalt in einer t\u00fcrkischen Ehe mit der Begr\u00fcndung tolerieren wollten, das sei eben islamisches Recht. Aber das erz\u00e4hle ich ihnen nicht. Doch da\u00df ein wichtiges Prinzip der Scharia der Brauch ist, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, das erz\u00e4hle ich. Ulli lebt auf. Er ist vor zwei Wochen von seinem Vermieter grob in die T\u00fcrf\u00fcllung geschubst worden \u2013 es ging um sein Fahrrad im Treppenhaus. Das nagt an ihm. Er freut sich auf die Aussicht, dem Kerl Gleiches mit Gleichem vergelten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die beiden beschlie\u00dfen, Wulff einen Brief mit dem Satz \u00bbHerr Wulff, Sie sind auch unser Pr\u00e4sident!\u00ab zu schreiben. Doch als ich ihnen sage, da\u00df Wulff die Neigung hegt, solche S\u00e4tze bei Staatsakten zu zitieren, lassen sie von ihrem Vorhaben ab.<\/p>\n<\/div>\n<div>Junge Welt, 09. Oktober 2010<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026die Scharia zu Deutschland geh\u00f6rte? Lothar und Ulli, mit denen ich den Donnerstag abend in einer Muckibude in Wei\u00dfensee bzw. im Buena Vista in der Bizetstra\u00dfe verbringe, wundern sich, warum ich so geschwollen frage. 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