{"id":442,"date":"2010-08-27T22:01:07","date_gmt":"2010-08-27T20:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=442"},"modified":"2010-08-27T22:04:01","modified_gmt":"2010-08-27T20:04:01","slug":"die-rente-mit-einem-zwangsdienst-beganne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/442","title":{"rendered":"&#8230; die Rente mit einem Zwangsdienst beg\u00e4nne?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">&#8230; die Rente mit einem Zwangsdienst beg\u00e4nne?<\/span><\/strong><\/p>\n<div>Kaum ist man den \u00dcberhitzungen der Pubert\u00e4t entronnen, mu\u00df man sich anderen Zumutungen zuwenden. Die Ministerin f\u00fcr famili\u00e4ren Frieden, Schwangerschaftsbeschwerden und Rentnerhygiene hat k\u00fcrzlich einen Denkansto\u00df ausgesto\u00dfen. Gew\u00f6hnlich zieht sie ihre Denkanst\u00f6\u00dfe (etwa vier im Monat) nach etwa drei\u00dfig Sekunden zur\u00fcck (sie wechselt dazu den Kamerastandort), saugt sie sozusagen retour, wenn sie in den Gesichtern ihrer Abteilungs- und Unterabteilungsleiter, ihres Sprechers, Fahrers und ihres Yogatrainers Rat- bzw. Fassungslosig- bzw. Lustlosigkeit liest. Sie liest geschwind. Einmal sagte sie, als sie die solcherart beseelten Gesichter entziffert hatte (es waren f\u00fcnf Sekunden verstrichen), sie nenne ihre Denkanst\u00f6\u00dfe ja deshalb Denkanst\u00f6\u00dfe (und die Vokabel sei durchaus \u00bbin G\u00e4nsef\u00fc\u00dfchen\u00ab zu denken), weil sie anst\u00f6\u00dfig sein sollten, man sich gesto\u00dfen f\u00fchlen solle, am Musikantenknochen oder an der H\u00fcfte. Diese Sto\u00dferei und Knufferei sei \u00bbihr Stil\u00ab. Sie sagte tats\u00e4chlich Stil!<\/p>\n<p>Den letzten Sto\u00df hat sie nicht zur\u00fcckgezogen, so da\u00df man f\u00fcrchten mu\u00df, er vagabundiert durchs politische Berlin und wird bald mit dem gewohnten Pro &amp; Contra von den Lobbyisten aller Interessenlagen hin und her gerollt. Sie k\u00f6nne sich vorstellen, sagte die Ministerin versonnen, und ein jungfr\u00e4ulich anmutendes L\u00e4cheln umspielte ihre Z\u00fcge, da\u00df am Ende des Lebens oder, positiv ausgedr\u00fcckt, am Beginn eines Lebens in v\u00f6lliger Apathie und des Wartens auf den sicheren Tod, also der Rente, ein soziales Pflichtjahr stehen k\u00f6nne. Ein Arbeitsdienst am Mitmenschen, der gespeist sein w\u00fcrde von der unendlich reichen Lebenserfahrung der Dienenden, ihrer Sensibilit\u00e4t, Empathie, ihrer Kenntnis der sieben Chakren und ihrer Neigung zu absoluter Uneigenn\u00fctzigkeit \u2013 also mit Euro nicht zu bezahlen, sondern h\u00f6chstens, um die Diener in ihrer Selbstlosigkeit nicht zu kr\u00e4nken, mit einem Zuschlag auf die Rente, eventuell \u00bbin\u00ab Kartoffeln oder Fr\u00fcchten der Jahreszeit oder mit einem Pr\u00e4sentkorb (Eierlik\u00f6r und Haftkrem f\u00fcr die Dritten).<\/p>\n<p>Im Unterschied zu ihren fr\u00fcheren St\u00f6\u00dfen, die einfach nur bl\u00f6d waren, holt dieser seinen Drive aus der aktuellen Debatte, ja aus einem Debattenb\u00fcndel. Er ist fachlich sauber plaziert: 1. Die Wehrpflicht f\u00e4llt weg und mit ihr der Wehrersatzdienst, 2. um die Rente mit 67 ist es nicht gut bestellt, weil f\u00fcr zu wenige Alte Arbeit da ist, 3. die Demographie: Alte, die in ihren fruchtbaren Jahren zu wenige und nur mit Unlust Kinder gezeugt haben, k\u00f6nnen nicht erwarten, im Alter von jungen Leuten gepampert zu werden \u2013 das sollen die Alten mit den Alten mal sch\u00f6n selber tun. 4. die Klimakatastrophe, 5. der deutsche Export\u00fcberschu\u00df etc. pp.<\/p>\n<p>Ein Denkansto\u00df, der f\u00fcr so viele Probleme zumindest eine Teill\u00f6sung verspricht, wie soll der aufzuhalten sein!<\/p>\n<p>Langsam befreunde ich mich mit der Vorstellung, an der Schwelle zum Alter das Pflegerische an mir zu entfalten, zu streicheln, zu salben und zu kuscheln. Das ganze lange Leben lang habe ich nur an mich gedacht. Einmal wurde ich sogar nach dem Sex von einer Person als Egoist bezeichnet! Wenn ich von mir aus aktiv werde, kann ich vielleicht im Rahmen einer Initiativbewerbung das Feld meiner sozialen Hingabe noch selber bestimmen. Diese Bewerbung mu\u00df selbstverst\u00e4ndlich vollst\u00e4ndig anonym sein und darf keinerlei R\u00fcckschl\u00fcsse auf mein Geschlecht u.a. erlauben \u2013 ein Denkansto\u00df der Ministerin, der als bisher einziger Gesetz zu werden droht. \u00bbMensch, der einen sozialen Zwangsdienst ableisten mu\u00df, m\u00f6chte gern in einem M\u00e4dchenprojekt mitwirken\u00ab, w\u00fcrde ich formulieren. Oder \u00bbZwangsdienstler ungenannt bleiben wollenden Geschlechts sucht helferische T\u00e4tigkeit mit Tieren im Rahmen aufsuchender Sozialarbeit\u00ab. Nat\u00fcrlich sind Hunde gemeint, aber um die vielen anderen Tiere nicht zu diskriminieren, w\u00fcrde ich vorsichtig formulieren.<\/p>\n<p>Ja, das Jahr beim Arbeitsdienst wird auch Sch\u00f6nes bringen, wenn man f\u00fcr die Jugend oder f\u00fcr Sch\u00e4ferhunde Gutes tun darf. Auf keinen Fall will ich eine alte Frau zum Klo f\u00fchren, um anschlie\u00dfend von einer alten Frau aufs Klo gef\u00fchrt zu werden. Wenn das nicht passiert, dann, Frau Schr\u00f6der, freue ich mich darauf.<\/p>\n<\/div>\n<div>Junge Welt, 28. August 2010<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; die Rente mit einem Zwangsdienst beg\u00e4nne? Kaum ist man den \u00dcberhitzungen der Pubert\u00e4t entronnen, mu\u00df man sich anderen Zumutungen zuwenden. Die Ministerin f\u00fcr famili\u00e4ren Frieden, Schwangerschaftsbeschwerden und Rentnerhygiene hat k\u00fcrzlich einen Denkansto\u00df ausgesto\u00dfen. 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