{"id":427,"date":"2010-07-26T09:47:47","date_gmt":"2010-07-26T07:47:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=427"},"modified":"2010-07-26T09:47:47","modified_gmt":"2010-07-26T07:47:47","slug":"es-die-stasi-nicht-gegeben-hatte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/427","title":{"rendered":"&#8230; es die Stasi nicht gegeben h\u00e4tte?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">\u2026 es die Stasi nicht gegeben h\u00e4tte?<\/span><\/strong><\/p>\n<div>Es ekelt einen (z.B. den Autor), \u00bbsolche Fragen\u00ab zu stellen. Wie erst mu\u00df es den Leser ekeln, sie zu lesen! Es ist, als w\u00fcrde man durch die Kanalisation waten. Man will dem, was da schwimmt, doch nicht dauernd begegnen. Sondern lieber hart an der \u00bbZukunftssicherung\u00ab (A. Merkel) arbeiten. Aber die Zukunft will sich partout nicht blicken lassen, will nicht einmal ein Zipfelchen ihres wei\u00dfen Gewandes l\u00fcpfen, wenn nicht allewegen mitgedacht wird, welch ein Schrecknis die DDR gewesen ist. Und so flie\u00dfen aus zahlreichen Ritzen Rinnsale und B\u00e4chlein \u00f6ffentlicher Gelder, die letztlich Flie\u00dfgeschwindigkeit f\u00fcr die ganze Schei\u00dfe erm\u00f6glichen. Die DDR hat zwar keinen eigenen Posten im Bundeshaushalt. Doch sie kommt teuer.<\/div>\n<p>Etwas davon bekommt die Universit\u00e4t in Friedrichshafen ab, die durch ihren lustigen Namen bekannt wurde \u2013 Zeppelin-Universit\u00e4t. Eine Uni nach einem Flugk\u00f6rper zu benennen, dessen bedeutendste Ausf\u00fchrungen durchweg explodierten, das hat was! Aber gut, wenn sie sich im Rahmen der \u00bbZukunftssicherung\u00ab alternativen Flugtechniken widmet \u2026<\/p>\n<p>Jedoch nicht ohne DDR. Das geh\u00f6rt quasi naturgegeben zum wissenschaftlichen Profil der Zeppelin-Universit\u00e4t, denn war die DDR nicht auch so was wie ein abgest\u00fcrztes Flugobjekt? Nach umfangreichen Forschungen, deren Methodik im finsteren bleibt, ist den Zeppelinern der Nachweis des historisch B\u00f6sen anhand seiner sp\u00e4ten Nachwirkungen gelungen. Das ist vom Forschungsansatz her eindrucksvoll. Denn das Argument der Faulen und Feigen, das B\u00f6se sei doch nun schon zwanzig Jahre her, verkehrt sich dramatisch in sein Gegenteil: Eben weil es zwanzig Jahre her ist und noch immer b\u00f6se wirkt, ahnt man, wie b\u00f6se das B\u00f6se dimensioniert gewesen sein mu\u00df. Und wenn es in hundert Jahren immer noch wirkt? Dann war die DDR noch b\u00f6ser, als in den vergangen hundert Jahren f\u00e4lschlich angenommen worden war!<\/p>\n<p>Die Wirkungen der DDR, also der Stasi, lassen sich mit den heute an einer forschenden Universit\u00e4t verf\u00fcgbaren hochempfindlichen Me\u00dfger\u00e4ten belegen. Wenn es die Stasi nicht gegeben h\u00e4tte (eigentlich mu\u00df man metaphorisch sagen: wenn es sie nicht immer noch g\u00e4be), dann w\u00e4re die Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen L\u00e4ndern um einige Prozent geringer. Um auf eine exakte Zahl zu kommen, m\u00fcssen die Werte, mit denen man rechnet auch exakt sein. Etwa so: Die Zahl jugendlicher Langzeitarbeitsloser teilt man durch die Zahl der enttarnten IM des MfS und gewinnt damit die absolute Zahl von Arbeitslosen, die direkt auf das Konto der Stasi gehen. Zur Sicherheit die rechnerische Probe: Jetzt teilen wir die Zahl der jugendlichen Langzeitarbeitslosen durch die Anzahl der anerkannten Stasi-Opfer. Die Ergebnisse m\u00fc\u00dften sich ann\u00e4hern. Gewonnen ist so eine wissenschaftlich belastbare Aussage.<\/p>\n<p>So etwa kann man Daten aus allen Lebensbereichen generieren: Die Zahl der Unf\u00e4lle im Stra\u00dfenverkehr, der Fehlgeburten, der Insolvenzen, der Leichensch\u00e4ndungen, der Alkoholvergiftungen und der Suizide in Ostdeutschland \u2013 f\u00fcr all das ist zu einem gewissen Prozentsatz die Stasi verantwortlich, wenn man den Stasifaktor rechnerisch einbezieht.<\/p>\n<p>Das gilt nicht nur bei Ph\u00e4nomenen, auf die man gern verzichten w\u00fcrde, sondern auch f\u00fcr solche, an denen Mangel herrscht. Da mu\u00df man allerdings Subtrahieren. So ist beispielsweise die Zahl der Organspenden pro Kopf im Osten signifikant geringer, als im Westen. Man nimmt den Westwert und subtrahiert die Zahl der IM\u2013 und ist baff: Es ergibt sich die Zahl der Organspenden im Osten. Sollte eine Gegenprobe n\u00f6tig sein, dann mit der Zahl der Opfer. Das gleiche kann man mit dem Pro-Kopf-Einkommen machen: Westwert\u2013 IM=Ostwert.<\/p>\n<p>Da es sich hier lediglich um die sch\u00f6pferische Anwendung der Grundrechenarten handelt, wird wohl niemand auf die Idee kommen, Ideologen seien am Werk. Oder Professoren, die einfach nur die Quelle \u00f6ffentlicher Mittel zur weiteren wissenschaftlichen Vernichtung der DDR offenhalten wollen.<\/p>\n<p>So, und nun sind die Leser gefragt: In Ostdeutschland gib es pro Kopf zu viele Spa\u00dfb\u00e4der. Wie viele sind es \u2013 und wie haben Sie das gerechnet?<\/p>\n<div>Junge Welt, 23. Juli 2010<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 es die Stasi nicht gegeben h\u00e4tte? Es ekelt einen (z.B. den Autor), \u00bbsolche Fragen\u00ab zu stellen. Wie erst mu\u00df es den Leser ekeln, sie zu lesen! Es ist, als w\u00fcrde man durch die Kanalisation waten. 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