{"id":390,"date":"2010-06-14T09:37:03","date_gmt":"2010-06-14T07:37:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=390"},"modified":"2010-06-14T09:37:03","modified_gmt":"2010-06-14T07:37:03","slug":"gauck-gewonne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/390","title":{"rendered":"&#8230; Gauck gew\u00f6nne?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">\u2026 Gauck gew\u00f6nne?<\/span><\/strong><\/p>\n<div>Es ist ja nicht so, da\u00df das Amt seine Tr\u00e4ger zu l\u00e4cherlichen Figuren gemacht h\u00e4tte. Es waren durchweg sozial auff\u00e4llige, zum Teil gest\u00f6rte, von Marotten und Ticks geplagte, nicht selten in einer bipolaren Disposition (manisch und depressiv) gefangene Personen, denen es zufiel. Solange sie ohne \u00e4u\u00dfere Autorit\u00e4t durchs Dorf schlichen und nach Pfandflaschen kramten, galten sie als Originale und man rief sie bei ihren verballhornten Vornamen: Hannes, Hotte, Heini. Einmal auf den Thron gehoben, mu\u00dften sie sich jedoch keinen Zwang mehr antun. Psychische Extrema galten fortan als Ausweis einer gro\u00dfen, einmalig entfalteten Individualit\u00e4t.<\/div>\n<p>Dazu war ja die \u00bbFunktion\u00ab des Kaisers da, als deren Ersatz das Bundespr\u00e4sidentenamt einst geschaffen wurde. Der Kaiser mu\u00dfte ob seiner Exaltiertheit gef\u00fcrchtet sein, eine Unberechenbarkeit, die auch die politische Kaste in Atem halten sollte: Aus einer Laune heraus konnte der Kaiser jederzeit eingreifen und Kriege zur Freihaltung der Handelswege beginnen. Die Hauptaufgabe des Amtes, die Repr\u00e4sentation, war einerseits stets die Leidenschaft der Kaiser und Bundespr\u00e4sidenten, anderseits aber auch die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde f\u00fcr sie: W\u00fcrden ihre Ticks mit dem Protokoll korrelieren? Man litt mit ihnen. Das Amt machte sie vollends zu Witzfiguren.<\/p>\n<p>Denken wir nur an den bibelbesessenen, unabl\u00e4ssig Schnurren leiernden sozialdemokratischen \u00bbMenschenfischer\u00ab Johannes Rau mit seinem obsz\u00f6nen Vers\u00f6hungsgefasel (in einer Zeit, in der ostdeutsche Andersdenkende systematisch politisch verfolgt wurden). Die wandernde Knallt\u00fcte Carstens! Der schon in j\u00fcngeren Jahren senile Stimmungss\u00e4nger Scheel! L\u00fcbke, der biedere, verge\u00dfliche (Kurz- und Langzeitged\u00e4chtnis) Nazi! Roman \u00bbDer Ruck-Sack\u00ab Herzog!<\/p>\n<p>Kein gesunder, auf erfrischende Sexualerlebnisse und anderen Lebensgenu\u00df orientierter Mensch wird dieses Amt anstreben. Schon gar keiner, der etwas vorhat mit der Gesellschaft, in der er leben mu\u00df (und sei es, sie nachhaltig zu erledigen). Nur ein in Wahrheit bemitleidenswerter Mensch will auf diesen Stuhl.<\/p>\n<p>Gauck ist ein idealer Kandidat. Man kennt ihn seit zwanzig Jahren und kann, auch ohne Gutachter bei Gericht zu sein, voraussagen, was mit ihm geschehen wird. Es hilft, sich an die stalinistische Verbissenheit, an die w\u00fctende Prinzipienreiterei und die unabl\u00e4ssige pastoral drohende Anrufung der abendl\u00e4ndischen Kultur zu erinnern, die er als Chef seiner Beh\u00f6rde gezeigt hat. Er hat versucht, den Ha\u00df, den er \u2013 wie alle Konvertiten, in diesem Fall vom Sozialismus zur \u00bbFreiheit\u00ab \u2013 in sich tr\u00e4gt, zur gesellschaftlichen (zur abendl\u00e4ndischen) Umgangsform zu erheben, und das ist ihm weitgehend gelungen. Manipuliationen waren ihm das Mittel der Wahl (Gysi, Heym) \u2013 denn im Gauckismus heiligt das Ziel s\u00e4mtliche Mittel.<\/p>\n<p>Und was war dann? Dann schw\u00e4tzte er geschwollen und go\u00df seinen Ha\u00df in d\u00fcster raunende Metaphern. Als die alten Feinde sp\u00e4rlicher wurden (und auch \u2013 was f\u00fcr ihn noch schrecklicher ist \u2013 die Opfer seiner Feinde), sann er auf neue: Ernstlich macht er \u00f6ffentlich \u00bbdie Konsumenten\u00ab als frisch zu entlarvende Feinde der Freiheit aus. Jeder Konsument mu\u00df eine T\u00e4terakte kriegen. Er ist offensichtlich krank.<\/p>\n<p>W\u00e4re er Bundespr\u00e4sident, w\u00fcrde zu all dem gequollen Symbolhaften, das er vor sich herschiebt (\u00bbeine Vita mit Br\u00fcchen\u00ab, \u00bbaufrecht gelebtes Leben in d\u00fcsterer Zeit\u00ab), die schiere L\u00e4cherlichkeit kommen. Nicht wie K\u00f6hler, der sich verschwatzte, sondern wie Gauck w\u00fcrde er in die Politik eingreifen: Er w\u00fcrde verlangen, da\u00df regelm\u00e4\u00dfig arglose Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche und ihre verschlagenen P\u00e4dagogen, in S\u00e4len zusammengetrieben werden, da\u00df die T\u00fcren verrammelt werden und die Leute seinen Sermon \u00fcber die Sch\u00f6nheiten der Freiheit (das Standardrepertoire seit Jahren) \u00fcber sich ergehen lassen m\u00fcssen. Er w\u00fcrde die Verfolgung Andersdenkender mit dem subtilen Instrumentarium von Bu\u00dfe, Schuld und S\u00fchne betreiben.<\/p>\n<p>In seiner ersten Amtszeit w\u00fcrden sich die Deutschen im Ausnahmezustand befinden: Moral, Moral, Moral. In seiner zweiten Amtszeit w\u00fcrde er trinken. Denn alles w\u00e4re erreicht.<\/p>\n<div>Junge Welt, 06. Juni 2010<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 Gauck gew\u00f6nne? 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