{"id":282,"date":"2010-01-06T19:03:02","date_gmt":"2010-01-06T17:03:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=282"},"modified":"2010-01-06T19:03:02","modified_gmt":"2010-01-06T17:03:02","slug":"ich-des-attentaters-vater-ware","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/282","title":{"rendered":"&#8230; ich des Attent\u00e4ters Vater w\u00e4re?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">\u2026 ich des Attent\u00e4ters Vater w\u00e4re?<\/span><\/strong><\/p>\n<div>Eltern sind \u00fcberaus sensibel f\u00fcr das, was mit ihren Kindern vorgeht. Die Mutter meines Sohnes fragt ihn oft: \u00bbWas ist denn, warum i\u00dft du denn nicht auf? Hast du was? Du hast doch was, mir kannst du es doch sagen!\u00ab<\/div>\n<p>Diese Ansprechhaltung voller Zuwendung und Liebe h\u00e4tte die Mutter des Attent\u00e4ters ihrem Sohn gegen\u00fcber einnehmen sollen, dann w\u00e4re der Nichtsnutz nicht auf die Idee gekommen, sich auf dem Flug zu amerikanischen Freunden die Unterhose anzuz\u00fcnden. Ich behaupte: Ein Kind, das in der Kindheit stabile Liebe erfahren hat, dem nicht mit Liebesentzug gedroht wurde (\u00bb&#8230;wenn du wieder die Klausur verkackst, bringe ich mich um!\u00ab) und dem nicht mit dem Leben an sich gedroht wurde (\u00bbDu landest auf Hartz IV!\u00ab) wird sp\u00e4ter nicht zum Att\u00e4terich. Da ist also in der Familie des Nigerianers schon mal was schief gelaufen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fallen in einer funktionierenden Kleinfamilie nat\u00fcrlich bestimmte Indizien auf. Es ist einfach heuchlerisch von dem Vater des Attent\u00e4ters, wenn er jetzt seine Regierung mit der verkorksten Vita seines Sohnes belastet, w\u00e4hrend er wahrscheinlich zuvor jahrelang betrunken auf dem Sofa gesessen und Unterschichtenfernsehen geschaut hat. Oder nichts als seinen Sch\u00fctzenverein im Kopf hatte, wie die meisten V\u00e4ter, deren Kinder Schulmassaker anrichten.<\/p>\n<p>Als mein Sohn in der Boxhagener sein erstes Auto abgefackelt hatte (er sagt \u00bbmein erstes Auto\u00ab aber es war nat\u00fcrlich gar nicht seins, darin liegt ja der Witz), da habe ich es sofort gemerkt. Nat\u00fcrlich wu\u00dfte ich nicht genau, was geschehen war, sondern nur, da\u00df etwas geschehen war. Er war schon am Wochenende zuvor so komisch gewesen, wollte nicht mit zu Oma zum Kaffeetrinken gehen und nicht den Binder umbinden, den Mutti ihm aufs Bett gelegt hatte. Doch dann war er pl\u00f6tzlich so fr\u00f6hlich und ausgeglichen und wollte sofort f\u00fcr zehn Tage mal mit seinen Eltern nach Mallorca reisen, \u00bbeinfach mal weg hier\u00ab. Seine Klamotten, die er vor die Waschmaschine geschmissen hatte, rochen nach Ru\u00df und Brandbeschleunigern. Da habe ich es ihm auf den Kopf zugesagt: \u00bbLars, du hast doch wieder mit Streichh\u00f6lzern gespielt!\u00ab<\/p>\n<p>Ein freim\u00fctiger Umgangston in der Familie, wo die Probleme nicht unter den Gebetsteppich gekehrt werden, hilft schon, diese und jene Gewaltphantasie auszur\u00e4umen. Als Vater des Attent\u00e4ters h\u00e4tte ich beispielweise gesagt: \u00bbSo, mal jetzt unter uns M\u00e4nnern, Filius \u2013 du m\u00f6chtest also Amerikaner t\u00f6ten. Sicher, das ist immer noch besser, als jeden Tag bis Mitternacht an der Tanke abzuh\u00e4ngen. Aber wie w\u00e4r\u2019s, wenn ich dir eine Jahreskarte f\u00fcrs Fitne\u00dfcenter spendiere? Oder dich in der Volkshochschule f\u00fcr Makram\u00e8 und Batik anmelde?\u00ab Oft ist es n\u00e4mlich die pure Langeweile, die Jugendliche in die Arme des Islamismus treibt. Der jetzt aufgeflogene junge Mann hatte sein BWL-Studium abgeschlossen, ihm fehlte die Gemeinschaft seiner Studiengruppe. Dann kamen die Jungs von Al-Qaida und haben ihn zum Saufen animiert \u2026<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man seinen Kindern nicht in den Kopf schauen. Ich habe es auch zu sp\u00e4t gemerkt, als mein Sohn sich pl\u00f6tzlich f\u00fcr ein Theologiestu\u00addium eingeschrieben hatte. \u00bbAusgerechnet Theologie\u00ab, schimpfte ich, \u00bbwo doch die theologischen Fundamentalisten soviel Unheil angerichtet haben. Denke doch nur mal an Markus Meckel oder diesen Eiferer Christoph Matschie von der SPD in Th\u00fcringen!\u00ab Allein die Nennung dieser Namen, denen ein Schwefelgeruch anzuhaften scheint, haben bei meinem Sohn einen Umdenkungsproze\u00df eingeleitet. Neulich habe ich ihn mit Karten f\u00fcr einen Gustav-Mahler-Abend mit den Berliner Philharmonikern \u00fcberrascht. Er hat sich sehr gefreut, konnte aber terminlich nicht. Da\u00df in derselben Nacht Luxuswohnungen am Friedrichshain niederbrannten, ist Zufall. Merke: Kinder, denen man Schlechtes unterstellt, werden auch schlecht!<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte zur Polizei oder zur amerikanischen Botschaft gehen, wie es der Vater des Attent\u00e4ters getan hat. Die w\u00fcrden den Lars dann auf irgendeine Liste schreiben. Aber mir bei der Erziehung des Jungen helfen w\u00fcrden sie auch nicht. Besser ist es, den innerfamili\u00e4ren Kontrolldruck zu erh\u00f6hen. Ich habe seine Mutter angewiesen, die Unterhosen unseres Sohnes auf Brandspuren zu untersuchen. Bis jetzt hat sie nur Bremsspuren gefunden.<\/p>\n<div>Junge Welt, 02. Januar 2010<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 ich des Attent\u00e4ters Vater w\u00e4re? 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