{"id":255,"date":"2009-11-11T20:12:19","date_gmt":"2009-11-11T18:12:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=255"},"modified":"2009-11-11T20:13:29","modified_gmt":"2009-11-11T18:13:29","slug":"zu-guttenberg-den-totalen-krieg-ausriefe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/255","title":{"rendered":"&#8230; zu Guttenberg den totalen Krieg ausriefe?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>\u2026 zu Guttenberg den totalen Krieg ausriefe?<\/strong><\/span><\/p>\n<div>Das w\u00fcrde seine ohnehin notgeile Popularit\u00e4tskurve durchs  Himmelsgew\u00f6lbe knallen lassen. Wahrscheinlich w\u00fcrde er schlagartig so beliebt,  wie es der F\u00fchrer in seinen besten Tagen war. Als Joseph Goebbels am 18. Februar  1943 im Berliner Sportpalast den totalen Krieg proklamierte, gab es ein  sonderbares Ph\u00e4nomen auf den Berliner Standes\u00e4mtern: Junge Paare bestanden  darauf, den gemeinsamen Namen Hitler anzunehmen (was die Gauleitung Berlin zu  verhindern wu\u00dfte, auch als \u00bbK\u00fcnstlername\u00ab f\u00fcr Trapezturner und Bauchredner mit  einem lebenden Affen auf der Schulter wurde Hitler gesperrt) und eben entbundene  Knaben sollten den Vornamen Hitler tragen, um gegen\u00fcber den vielen kleinen  Adolfs, die bereits seit dem Fall von Paris herumwimmelten, was Besseres zu  sein. Heute w\u00fcrden die Muttis ihren Jungen vielleicht Zu Guttenberg M\u00fcller,  Meier oder Schulze rufen \u2013 Kosename: Gutti. Gutti, komm hoch, Essen ist fertig!  Ich glaube, die Hingabe des Volkes an zu Guttenberg w\u00fcrde noch gr\u00f6\u00dfer sein, als  es die an Hitler je war, weil zu Guttenberg ja ein Demokrat ist und man sich  nicht f\u00fcr ihn genieren mu\u00df. Und weil er sogar den antifaschistischen Widerstand,  sozusagen den Stauffenberg, in der Familienrolle hat.<\/p>\n<p>Die Ausrufung des  totalen Krieges durch zu Guttenberg w\u00e4re ein ungeheuer mutiger Schritt. Wenn man  einmal bedenkt, welch ein Mut, welche strategisch glasklare Analyse und  Unabh\u00e4ngigkeit im Denken und politischen Handeln dem zu Guttenberg die  versammelte Presse bescheinigt, wo er in Afghanistan erst mal ein ganz klein  wenig den Krieg ausgerufen hat. Mit seiner beinahe verlegen vor sich hin  gemurmelten Formulierung: \u00bbWahrscheinlich ist da unten in dem  Schei\u00dfmohnanbaugebiet doch so was wie ein Krieg im Gange\u00ab hat er geistige Mauern  durchbrochen, ja den eisernen Vorhang des Tabus hochgehen lassen! Stefan Heym,  lebte er noch, w\u00fcrde wie am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz  ausrufen: \u00bbEs ist, als h\u00e4tte jemand die Fenster aufgesto\u00dfen\u00ab, weil n\u00e4mlich der  frische Wind der Wahrheit jetzt in die vermuffte Stube der verordneten  Sprachlosigkeit str\u00f6mt.<\/p>\n<p>Auch auf die Moral der Heimat \u2013 noch sagen wir  nicht Heimatfront \u2013 hatte zu Guttenbergs couragierte Tat eminente Wirkung. Auf  den Wochenm\u00e4rkten, in den Arbeits\u00e4mtern und den Waffenfabriken str\u00f6men in diesen  Tagen die Menschen zusammen. \u00bbHabt ihr schon geh\u00f6rt, unser zu Guttenberg hat den  kleinen Krieg erkl\u00e4rt!\u00ab ruft man sich zu. Wildfremde Menschen fallen sich auf  den U-Bahnh\u00f6fen in die Arme, und Frotteure mi\u00dfbrauchen das zu K\u00f6rperkontakt.  \u00bbEndlich m\u00fcssen wir nicht l\u00e4nger mit der verdammten L\u00fcge leben\u00ab, h\u00f6rt man. Und  tats\u00e4chlich: Allzulange mu\u00dften M\u00fctter, Freundinnen und Frauen, deren S\u00f6hne,  Freunde und Gatten nach Afghanistan gezogen waren, zu Hause gegen\u00fcber den  Nachbarn so tun, als sei der Kerl auf einer ausgedehnten Puffsafari durch  S\u00fcdostasien. Jetzt d\u00fcrfen sie sich bekennen. Gestern beobachtete ich in  Kreuzberg eine kleine Hausfrauenbalgerei um S\u00fcdfr\u00fcchte. \u00bbLassen Sie mich vor\u00ab,  rief eine Frau aus der Schlange, \u00bbmein Sohn k\u00e4mpft auch f\u00fcr Sie in Afghanistan.\u00ab  Die Wartenden wichen ehrf\u00fcrchtig zur\u00fcck&#8230; Eine Szene, wie man sie sich nicht  besser ausdenken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auch die Johanniter \u2013 oder war es der  DRK-Kreisverband Oranienburg? \u2013 haben reagiert. Vor 14 Tagen erst ging die  Nachricht durch die Agenturen, da\u00df unsere Jungens am Hindukusch in Unterhosen  k\u00e4mpfen, die zwanzig Jahre \u00fcberdauert haben und aus denen das Braune gar nicht  mehr richtig rausgeht. In einer gro\u00dfen Winterhilfsaktion sollen unter dem  augenzwinkernden Motto \u00bbWie viele Unterhosen braucht der Mann?\u00ab 1000  entbehrliche bis Jahresende an unsere Truppen geschickt  werden.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Die erste regul\u00e4re Kriegsweihnacht steht uns bevor. Da  m\u00f6chten sich wohl alle f\u00fcr unsere Guttenberg-Armee etwas Besonderes einfallen  lassen. Wie w\u00e4re es einmal mit \u00bbWetten, da\u00df..?\u00ab aus dem Lager Kandahar? Oder  vielleicht ein \u00bbKriegsfest der Volksmusik\u00ab mit Florian Silbereisen?<\/p>\n<p>Was  die kleine Kriegserkl\u00e4rung zu Guttenbergs f\u00fcr die k\u00e4mpfende Truppe strategisch  und moralisch bedeutet, davon soll hier aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden nicht die Rede  sein. Nur soviel: Ein mir befreundeter Rekrut mailte nach Hause: \u00bbEndlich, jetzt  k\u00f6nnen wir richtig hinhauen!\u00ab Und seine Oma, die mir das voller Stolz erz\u00e4hlte,  erg\u00e4nzte freudestrahlend: \u00bbJetzt wird auch ordentlich gefallen.\u00ab<\/p>\n<p>Junge Welt, 06. November 2009<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 zu Guttenberg den totalen Krieg ausriefe? Das w\u00fcrde seine ohnehin notgeile Popularit\u00e4tskurve durchs Himmelsgew\u00f6lbe knallen lassen. Wahrscheinlich w\u00fcrde er schlagartig so beliebt, wie es der F\u00fchrer in seinen besten Tagen war. Als Joseph Goebbels am 18. 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