{"id":210,"date":"2009-10-12T22:11:50","date_gmt":"2009-10-12T20:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/?p=210"},"modified":"2009-10-12T22:15:39","modified_gmt":"2009-10-12T20:15:39","slug":"sich-frau-merkel-hochleben-liese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/210","title":{"rendered":"&#8230; sich Frau Merkel hochleben lie\u00dfe?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">\u2026 sich Frau Merkel hochleben lie\u00dfe?<\/span><br \/>\n<\/strong><br \/>\nAlso etwa anl\u00e4\u00dflich eines CDU-Parteitags oder zum Abschlu\u00df eines Auftritts vor der Bundespressekonferenz oder als finales Zeremoniell bei der Vereidigung von deutschen Afghanistan-Soldaten. Und vielleicht mit folgendem Wortlaut: \u00bbEs lebe das heilige (oder herrliche oder gem\u00fctliche) Deutschland! Es lebe Angela Merkel! Es lebe ich!\u00ab<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde vielleicht zun\u00e4chst Verwunderung hervorrufen. Pofalla w\u00fcrde herbeieilen, um seiner Chefin eine DRK-Decke um die Schultern zu legen. Assistenten w\u00fcrden wild gestikulieren, damit die Kameras abgeschaltet werden. Und dann w\u00fcrde man die offenbar wirre Dame ganz vorsichtig von der B\u00fchne f\u00fchren, und wer genau hinh\u00f6rt, w\u00fcrde sie aus der Gasse piepsen h\u00f6ren \u00bbEs lebe ich!\u00ab Was dann folgte, w\u00e4re eine qualvolle Phase der Regierungsneubildung, aus der der hinterfotzige Niedersachse triumphierend hervorgehen und lange Jahre regieren, bis auch er eines Tages \u00bbEs lebe Christian Wulff\u00ab rufen und abgef\u00fchrt werden w\u00fcrde. Bei uns ruft so was keiner.<\/p>\n<p>Aber denken denken sie es! Keiner der \u00f6ffentlichen Auftritte von Gerhard Schr\u00f6der, der nicht mit einem \u2013 allerdings stummen \u2013 \u00bbEs lebe der eloquente, sch\u00f6ne, immer noch dunkelhaarige Acker!\u00ab endete. Und bei Helmut Kohl schien eine Bauchstimme unter dem Mantel der Geschichte in jeglichen Schlu\u00dfbeifall hinein zu brummen: \u00bbEin Hoch auf Helmut Kohl, den lange str\u00e4flich untersch\u00e4tzten Wiedervereiniger aller Deutschen und Gestalter des neuen Europa!\u00ab<\/p>\n<p>Aber \u00f6ffentlich machen sie das nicht, dazu sind sie zu falsch, zu verklemmt und zu scheindemokratisch. Silvio Berlusconi macht das, und daf\u00fcr lieben wir ihn: \u00bbViva Italia, viva Berlusconi\u00ab \u2013 in dieser und keiner anderen Reihenfolge! \u2013 das geht ihm behende \u00fcber die sch\u00f6nen Lippen. Was f\u00fcr eine Lendenkraft! Was f\u00fcr ein Gestaltungswille, F\u00fchrungsanspruch, welch eine Verl\u00e4\u00dflichkeit. Und was f\u00fcr eine Wahrheitsliebe!<\/p>\n<p>Denn \u00bbViva Berlusconi!\u00ab spiegelt nur die Verh\u00e4ltnisse. \u00bbViva Berlusconi\u00ab ist fernab vom c\u00e4sarischen Gr\u00f6\u00dfenwahn. Hier spricht ein Mann, dem praktisch das Land geh\u00f6rt mitsamt allen Weibern zwischen 17 und (h\u00f6chstens) 30. Und der wichtigste Fernsehsender, bei denen er die Damen in Castingshows unterbringen kann. Au\u00dferdem geh\u00f6rt ihm eine Partei, bei der er jederzeit die Jungefrauenquote erh\u00f6hen kann, was Feministinnen komischerweise aber nicht in Entz\u00fccken versetzt. Was er und wie er denkt und was er will, ist \u2013 \u00e4hnlich wie bei Adolf Hitler \u2013 vollkommen \u00f6ffentlich, vollkommen bekannt, absolut \u00bbtransparent\u00ab, um mal ein Modewort der Scheindemokratie zu verwenden. Man mag Berlusconi leiden oder nicht (ich bin sein Fan) \u2013 aber eins mu\u00df man ihm lassen: Bei ihm gibt es keinen doppelten Boden, kein taktierendes Hinhalten, keinen \u00bbModerieren\u00ab genannten Politikstil, bei dem man nie erf\u00e4hrt, was die Kanzlerin will und ob sie \u00fcberhaupt etwas will. Und dann sein Humor, der seinem Volk hilft, auch dunkle Stunden (z.B. Erdbeben) zu \u00fcberstehen. Sein Humor, der intellektuelle Quell f\u00fcr die Comedy-Schiene seiner Fernsehsender, ist der beruhigende Beleg daf\u00fcr, da\u00df Berlusconi auch im Idealfall einer absoluten Alleinherrschaft \u00fcber Italien diese nicht zu unlustigen Zwecken mi\u00dfbrauchen w\u00fcrde. Wer Obama mehrmals \u00bbsch\u00f6n gebr\u00e4unt\u00ab nennt und ihn in der Gemeinschaft der Regierungschefs \u00bbunser Brauner\u00ab nennt, wird niemals Amerika \u00fcberfallen!<\/p>\n<p>Gut, ich gebe zu, das letzte Mal, als Hitler \u00bbHeil Hitler!\u00ab zu sich selbst sagte (sein treuer Diener, der SS-Mann Rochus Misch, erz\u00e4hlte in seinen Erinnerungen unter dem Titel \u00bbMein Hitler\u00ab, da\u00df Hitler zumeist \u00bbHeil Hitler!\u00ab rief, wenn er sich mit hartem Stuhl qu\u00e4lte), ist es nicht gut ausgegangen. Aber solche Vergleiche sind kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Bei uns w\u00e4re ein \u00bbHeil Merkel!\u00ab aus Kanzlerinnenmund schon deshalb nicht m\u00f6glich, weil die Fernsehsender nicht Frau Merkel geh\u00f6ren, sondern der werbetreibenden Wirtschaft, weil nicht Frau Merkel die Politik bestimmt, sondern die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft, weil nicht Frau Merkel die Massenpresse in der Hand hat, sondern der Springer-Konzern. Und das ist nat\u00fcrlich viel besser so.<\/p>\n<p>Junge Welt, 10. Oktober 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 sich Frau Merkel hochleben lie\u00dfe? Also etwa anl\u00e4\u00dflich eines CDU-Parteitags oder zum Abschlu\u00df eines Auftritts vor der Bundespressekonferenz oder als finales Zeremoniell bei der Vereidigung von deutschen Afghanistan-Soldaten. 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