{"id":131,"date":"2009-09-01T21:03:31","date_gmt":"2009-09-01T19:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/131"},"modified":"2009-09-01T21:12:51","modified_gmt":"2009-09-01T19:12:51","slug":"131","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rickyschnaasen.de\/blog\/archives\/131","title":{"rendered":"&#8230; ich wieder einmal die Kanzlerinnenterrasse nutzen d\u00fcrfte?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #800000;\">\u2026 ich wieder einmal die Kanzlerinnenterrasse nutzen d\u00fcrfte?<\/span><\/strong><\/p>\n<div>Ulrich Deppendorf, der karrieregeilste, eitelste, als Kollegenschwein verha\u00dfteste der sogenannten Hauptstadtjournalisten der ARD, bellt mehr, als er spricht. Hat er einen Kommentar, sind die \u00bbTagesthemen\u00ab jedes Mal am Ende.<\/div>\n<p>Am Mittwoch hat er den Deutschen bellend unterstellt, wer dem Ackermann seine Teestunde mit Angela Merkel auf deren Terrasse neide, wolle nur selbst zu ihr eingeladen sein. Es ist n\u00e4mlich ein Wettbewerb im Lande ausgebrochen: Wer gute Taten f\u00fcr das Gemeinwesen vollbringt und wom\u00f6glich auch noch einen runden Geburtstag hat, bekommt nicht den Karl-Marx-Orden in die Brust gejagt, sondern darf auf die Kanzlerinnenterrasse. In den Biographien liest man dann: In W\u00fcrdigung seines Lebenswerkes war W. (also z. B. Wedel) im Altweibersommer 2009 auf die Kanzlerinnenterrasse eingeladen, wobei es zu einem Meinungsaustausch mit der Kanzlerin, die sich durch ihre B\u00fcroleiterin vertreten lie\u00df, kam und ein offizielles Foto (\u00bbHerr Dr. W. blickt von der Kanzlerinnenterrasse aus auf das geeinte Berlin, Hauptstadt der BRD\u00ab) entstand. Die Einladung auf die Terrasse ist protokollarisch der Audienz beim Papst gleichgestellt, liegt in ihrer Bedeutung weit \u00fcber dem \u00bbFotografieren vor der Truppenfahne\u00ab und ist selbst einer Beisetzung an der Kremlmauer vorzuziehen.<\/p>\n<p>Wie ich damals, im Dezember 2007, zu der Ehre kam (Deppendorf war vor mir dort \u2013 die bediensteten Zeitarbeiter mit 3,50 Euro Stundenlohn berichteten mir noch immer schaudernd, er habe seine Schuhe, sogenannte Slipper ausgezogen, woraufhin die Kanzlerin sofort die Terrasse l\u00fcften lie\u00df), wei\u00df ich nicht. Vielleicht durch eine Verwechslung mit dem Sch\u00f6pfer schlechter Fernsehst\u00fccke, Dieter Wedel, mit dem mich auch schon einmal das Willy- Brandt-Haus verwechselte und mich zu einer \u00bbVerkostung erlesener Weine \u00ab bat (erst als sie eine Parteispende von mir haben wollten, sagte ich, da\u00df ich unm\u00f6glich Dieter Wedel sein k\u00f6nne, da war ich aber schon betrunken). Manchmal werden auch Leute ohne erkennbares Verdienst auf die Terrasse vorgelassen, weil sie ein schlimmes Schicksal tragen \u2013 z. B. einen Flugzeugabsturz \u00fcberlebten, in Afghanistan das H\u00f6rverm\u00f6gen einb\u00fc\u00dften, absehbar bald sterben werden oder infolge eines Justizirrtums 16 Jahre unverschuldet im Strafvollzug verbrachten. Ich fragte die Kanzlerin nat\u00fcrlich nicht, wie ich zu der Ehre gekommen sei, h\u00e4tte sie sich dann doch nolens volens &amp; expressis verbis lobend \u00fcber mich \u00e4u\u00dfern und beispielsweise ganze Passagen aus meinen Texten f\u00fcr die junge Welt, die ihr besonders gefallen haben, memorieren m\u00fcssen \u2026<\/p>\n<p>Weil Frau Merkel und ich promoviert sind, sprachen wir uns mit Frau Dr. und Herr Doktor an, wobei ich nach Lage der Dinge \u00bbFrau Dr.\u00ab zu ihr sagte. Das ist so ein kleines ironisches Spiel unter Akademikern. Sie hat einen umwerfenden Humor und gleicherma\u00dfen umwerfenden Charme und umwerfend blaue Augen. Dennoch kommt man nicht eine Sekunde lang auf die Idee, ihr B\u00fcrosex anzubieten. Auch Deppendorf, der sonst keine Praktikantin unbesch\u00e4digt entkommen l\u00e4\u00dft, hat das unterlassen.<\/p>\n<p>Gespeist wird immer dasselbe \u2013 und damit hat Deppendorf Recht: Eine Sause, eine Orgie, ein Bacchanal zu Lasten des Steuerzahlers ist nicht im Gange. Zu Beginn gibt es irgendwas Vereistes und Verkekstes mit Erdbeeren, dann die ewige Spargelcremesuppe der Bundestagsverwaltung im Silbert\u00e4\u00dfchen. Ein Hauptgang wird wegelassen, weil er angeblich einer EU-Richtlinie widerspricht, und dann wird ein Gl\u00e4schen Sekt gereicht.<\/p>\n<p>Der Meinungsaustausch, der wegen m\u00f6glicher Kontrollen durch den Haushaltsausschu\u00df obligatorisch ist, verl\u00e4uft so: Kanzlerin: \u00bbNa ja, das Wetter heute\u2026 \u00ab Gast: \u00bbDanke f\u00fcr Ihre kluge Politik, die kann auch kein Sonnenschein \u00fcbertreffen.\u00ab (Bei tr\u00fcbem Wetter: \u00bbDer kann auch kein Regen etwas anhaben. \u00ab)<\/p>\n<p>Ich kann nur best\u00e4tigen, was die Kanzlerin in der Causa Ackermann nicht m\u00fcde wird zu betonen: Die \u00bbnotwendige Distanz\u00ab wird gewahrt. Zum Abschied sagt die Kanzlerin: \u00bbIch gehe schon mal voran, mein Fahrer wartet. Vergessen Sie bitte nicht, die Kaffeemaschine auszuschalten und beim Pf\u00f6rtner Bescheid zu sagen, da\u00df Sie durch sind.\u00ab Distanzierter geht es nicht!<\/p>\n<p>Wenn ich wieder einmal zu Frau Dr. eingeladen w\u00fcrde, ich schl\u00fcge statt meiner Person einen anderen verdienstvollen B\u00fcrger vor, z.B. Kalle Ebersbach, genannt \u00bbRaffi\u00ab, wegen seiner Z\u00e4hne. Aber den kennt ja keiner.<\/p>\n<p>Junge Welt, 28. August 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 ich wieder einmal die Kanzlerinnenterrasse nutzen d\u00fcrfte? Ulrich Deppendorf, der karrieregeilste, eitelste, als Kollegenschwein verha\u00dfteste der sogenannten Hauptstadtjournalisten der ARD, bellt mehr, als er spricht. Hat er einen Kommentar, sind die \u00bbTagesthemen\u00ab jedes Mal am Ende. 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